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„Das Ruhrgebiet ist besser als sein Ruf“ – Michael Kalthoff im Gespräch

 

Die Innovationsfähigkeit des Steinkohlenbergbaus bildet für die RAG eine sehr gute Grundlage für die digitalen Anforderungen in der Nachbergbauzeit. Michael Kalthoff ist Vorstand Finanzen der RAG Aktiengesellschaft und Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien GmbH. Ein Gespräch mit startport-Geschäftsführer Peter Trapp über Innovationen und das Ruhrgebiet. 

Peter Trapp: Die deutsche Steinkohleförderung endete 2018. Gibt es für die RAG jetzt überhaupt noch Aufgaben?

Michael Kalthoff: Jede Menge sogar. Wir alle – das Unternehmen und seine Mitarbeiter – wollen, dass sich das Ruhrgebiet weiterentwickelt und das bleibt, was es ist: eine Region, in der es sich gut leben und arbeiten lässt. Der Beitrag, den wir hierfür leisten, leitet sich aus unseren Kernaufgaben ab, der verantwortungsvollen Bearbeitung der Folgen der Steinkohleförderung. Zum Beispiel mit unserem Wassermanagement unter und über Tage. Konkret unterstützen wir die Renaturierung der Emscher, indem wir die Einleitung von Grubenwasser in den Fluss einstellen. Mit dem Rückbau unserer ehemaligen Bergwerksanlagen schaffen wir freie Flächen für neue Ansiedlungen, für Wohnraum, Gewerbe und Freizeit.

Peter Trapp: Wo sehen Sie für die nachhaltige Entwicklung eines starken Ruhrgebiets noch Nachholbedarf?

Michael Kalthoff: Das Ruhrgebiet hat ein Image-Problem. Viele Menschen haben immer noch das Bild von qualmenden Schornsteinen, dreckiger Luft und ausschließlich harter körperlicher Arbeit vor Augen, wenn sie an unsere Region denken. Die Realität sieht mittlerweile aber ganz anders aus. Das Ruhrgebiet ist besser als sein Ruf: liebens- und lebenswert.

„Das Ruhrgebiet ist besser als sein Ruf: liebens- und lebenswert.“

Und es verfügt über eine Menge schlummerndes Potenzial, das wir wecken und nutzen müssen.

Peter Trapp: Das heißt …

Michael Kalthoff: … dass für die Zukunft des Ruhrgebiets von den unterschiedlichen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch vernetzter gedacht werden muss. Wir reden immer viel von Metropolregion, wir leben sie nur nicht. Das müssen wir unbedingt ändern und ein Selbstbewusstsein an den Tag legen, das auch andere Wirtschaftsräume entwickelt haben. Unsere Hochschullandschaft ist top. Nur wir schaffen es nicht, die Absolventen auch hier zu halten. Dabei sind in der Region zahlreiche erfolgreiche Unternehmen angesiedelt, Mieten und Immobilienpreise sind verglichen mit anderen Regionen günstig und das Kulturangebot breit gefächert.

Natürlich haben wir auch Nachholbedarf. Nehmen wir zum Beispiel die Verkehrsinfrastruktur. Die ist im Ruhrgebiet bei weitem noch nicht optimal aufgestellt. Die Straßen sind immer noch überlastet und es gibt zu wenig Nord-Süd-Verbindungen – vor allem auch im ÖPNV. Hier haben wir mit dem RRX einen wichtigen Meilenstein erreicht, müssen aber trotzdem noch weiter nachlegen. Ähnlich steht’s ums Radwegenetz. Auch dort gibt es sehr gute Ansätze wie die kilometerlangen Radstrecken auf ehemaligen Zechenbahntrassen. Aber noch ist nicht das gesamte Potenzial gehoben, um unsere Region noch attraktiver für Menschen zu machen, die in Zeiten des Klimawandels weg vom Auto wollen.

Peter Trapp: Welche Chancen bietet das Ruhrgebiet ohne die Steinkohleförderung? Was sind die Leitbranchen des Ruhrgebiets?

Michael Kalthoff: Seien wir mal ehrlich, in den letzten Jahren war der Steinkohlenbergbau aufgrund des Rückbaus und der Stilllegungen keine Leitbranche mehr. Wirtschaftlich gesehen. Identifikationsstiftend bleibt sie weiterhin. Die neuen Chancen liegen in der Medizintechnik, der Chemie, wenn ich da an Evonik denke, und natürlich in der Logistik. Denn Logistik können wir – darin hat die Region nicht nur Erfahrung, sondern auch ihre günstige geografische Lage in Europa spricht dafür.

„Denn Logistik können wir – darin hat die Region nicht nur Erfahrung, sondern auch ihre günstige geografische Lage in Europa spricht dafür.“

Und nicht zuletzt die Infrastruktur – Autobahnen, Schienennetze, Wasserstraßen und Flugplätze.

Peter Trapp: Wie fördert die RAG die Chancen des Ruhrgebiets konkret?

Michael Kalthoff: Unser Beitrag an der Entwicklung ist vielleicht ein kleiner, aber wichtiger: Auf unseren ehemaligen Industriearealen – Bergwerksgeländen wie Kohlenlagerflächen – schaffen wir Raum für Neues. Oft für eine Logistik-Folgenutzung, weil auch unsere Flächen in der Regel ideal an die Infrastrukturwege angebunden sind. Viele Projekte realisieren wir in Joint Ventures mit starken Partnern. Nehmen wir beispielsweise die logport ruhr GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von RAG Montan Immobilien und der Duisburger Hafen AG. Gemeinsam haben wir auf ehemaligen Kohlenlagerflächen in Kamp-Lintfort und Oberhausen wertvollen Raum für Logistikzentren geschaffen. Das mit Abstand größte interkommunale Entwicklungsprojekt „Freiheit Emscher“ haben wir uns gemeinsam mit den Städten Bottrop und Essen für die nächsten Jahre vorgenommen. In dem 1.700 ha großen Areal im Herzen des Ruhrgebiets soll die Ansiedlung von innovativen Unternehmen Impulse für ein zukunftsweisendes Gewerbequartier geben.

Zudem geben wir mit unserem Engagement in der Gründerallianz Ruhr Impulse für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Start-ups. Und leisten damit einen Beitrag für die Entwicklung von Innovation in der Region.

Peter Trapp: „Digitales Ruhrgebiet“: Welche Vorstellungen hat die RAG dazu?

Michael Kalthoff: Die Digitalisierung umfasst schon jetzt nahezu alle Lebensbereiche. Jeder Mensch produziert täglich eine Unmenge von Daten – am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Fast unser gesamtes Leben lässt sich heute digital abbilden. Das bietet neben Chancen auch Risiken, die minimiert werden müssen. Data Security spielt dementsprechend eine äußerst wichtige Rolle. Und hier ist das Ruhrgebiet schon ganz vorn mit dabei. Nehmen wir beispielsweise die G DATA CyberDefense AG, die in Bochum digitale Sicherheitslösungen mit internationaler Strahlkraft entwickelt. Daten sind auch unser Schatz, quasi das neue schwarze Gold unseres Unternehmens. Wir wollen und werden uns dem digitalen Zeitalter nicht verschließen. Doch es geht um mehr als digitale Prozesse und Technologien, es geht um Unternehmenskultur. Die Art, wie wir zusammenarbeiten, wie wir kommunizieren, wie wir leben: Die Welt verändert sich. Das Ruhrgebiet muss dabei mindestens auf die Welle kommen. Und sich auf Basis seiner Erfahrungen und Fähigkeiten neu erfinden

Peter Trapp: Was ist der konkrete Beitrag der RAG für ein digitales Ruhrgebiet?

Michael Kalthoff: Unser gesetzlicher Auftrag lautet, unsere Aufgaben so wirtschaftlich wie möglich zu erledigen – bei geforderter Effektivität. Hier kann uns die Digitalisierung mehr als nur einen Schritt weiterbringen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig Digitalisierung auch für unser Unternehmen ist. Bereits seit Längerem arbeiten wir bei innovativen Projekten mit Start-ups zusammen – über die Gründerallianz Ruhr finden wir die passenden Partner für unsere betrieblichen Fragestellungen. Die meist noch sehr jungen Gründer ergänzen unsere Expertise durch ihre Sicht von außen und ihre Ideen jenseits von betrieblichen Scheuklappen.

Peter Trapp: Wie sollte Ihrer Meinung nach das Ruhrgebiet in 10 Jahren aussehen?

Michael Kalthoff: Ich wünsche mir, dass die zahlreichen Digitalisierungsinitiativen und Hochschulprojekte, die zurzeit angestoßen werden, zünden. Praktisch aus kreativen Ideen auch nachhaltig wirtschaftliche Erfolge entstehen. Mit der Veränderung und dem Rückzug der ehemals dominierenden Großkonzerne in der Region gibt es Platz und neue Entfaltungsmöglichkeiten für junge und aufstrebende Unternehmen. Dass Land, Wirtschaft und Gesellschaft sich zu einem wirksamen Aktionsprogramm im Strukturwandel für das Ruhrgebiet zusammenfinden. Dass wir uns wieder zu einem prosperierenden Wirtschaftsraum in Europa entwickeln. Und dass wir in zehn Jahren mit Selbstbewusstsein und einem klaren Selbstverständnis zurückschauen und für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sind.

Peter Trapp: Ihre Ausbildung haben Sie in Duisburg abgeschlossen, das Vordiplom in Bochum erlangt. Welche Rolle spielt das Ruhrgebiet für Sie persönlich?

Michael Kalthoff: War, ist und bleibt meine Heimat.

Peter Trapp: Warum haben Sie sich entschieden im Ruhrgebiet zu bleiben?

Michael Kalthoff: Als Vorstand, der die Verantwortung für ein Ruhrgebietsunternehmen trägt, ist mein Platz nahe beim Unternehmen und unseren Mitarbeitenden. Trotz aller Fortschritte in der Digitalisierung kann ich mir nicht vorstellen, aus der Ferne zu wirken.

Peter Trapp: Was war der emotionalste Moment in Ihrer Zeit bei der RAG?

Michael Kalthoff: Das Ende des Steinkohlenbergbaus 2018. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch bei der RAG-Stiftung gearbeitet habe. Als Leiter des Beteiligungsbereichs RAG war ich nah dran …

Peter Trapp: Was würden Sie heute jungen Menschen, die im Ruhrgebiet leben, raten?

Michael Kalthoff: Bleibt jung – in den Ideen, in der Energie und in der Aufgeschlossenheit der Welt gegenüber! Bringt euch aktiv und leidenschaftlich in den Umbau des Ruhrgebiets von der Industrieregion in eine wettbewerbsfähige nachhaltigkeitsorientierte Wissensregion ein. Und bleibt trotzdem stolz auf die Werte, die uns im Ruhrgebiet verbinden.

Bildcopyright: RAG

Über Michael Kalthoff: Michael Kalthoff ist Vorstand Finanzen der RAG Aktiengesellschaft und Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien GmbH. Die Innovationsfähigkeit des Steinkohlenbergbaus bildet für die RAG eine sehr gute Grundlage für die digitalen Anforderungen in der Nachbergbauzeit.

Über Peter Trapp: Peter Trapp ist Managing Director bei startport und Generalbevollmächtigter der Duisburger Hafen AG. Logistik-Innovationen sind für Peter Trapp der Schlüssel für eine nachhaltige Stärkung des Logistik-Standortes NRW.

Auf eine Frage mit… PRIOjet

Was denken die Visionäre der Logistikbranche? In unserer Reihe „auf eine Frage mit…“ finden wir das heraus. Dafür sprechen wir mit unseren Gründern über Ihre Ideen und Visionen. PRIOjet Logistics ist eine digitale Plattform zur Abwicklung von Notfall-Logistik-Aufträgen. Zeitkritische Sendungen, wie dringende und unplanbare Transporte von z.B. kurzfristig benötigten Produktionsmitteln oder Maschinenersatzteilen sollen schnell, zuverlässig und sicher an den Ort des Bedarfs gebracht werden. Das Gründerteam will mit PRIOjet Logistik-Notfälle für Unternehmen, Logistik-Agenturen,
Logistik- und Zoll-Dienstleister, sowie On-Board-Couriers (OBC) in Höchstgeschwindigkeit und mit hoher Transparenz lösen.

startport: Was sind die Herausforderungen der Logistik von morgen?

Eine aus unserer Sicht wesentliche Herausforderung für die Logistik von morgen ist die Kooperation und das Ineinandergreifen unterschiedlicher Dienstleister der Logistikbranche und den ergänzenden Serviceprovidern. Ein wesentlicher Punkt ist und bleibt dabei die Digitalisierung der Unternehmen und insbesondere auch die immer digitaleren Kontaktpunkte als Dienstleistung selbst oder als Begleitung der eigentlichen Dienstleistung zum Kunden. Ein sicherer Datenaustausch der Dienstleister untereinander und zugleich mit dem Kunden ist dabei wesentlich.

startport: Wie tragt ihr dazu bei, diese Branche nachhaltiger zu machen?

Für uns ist die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der Umwelt durch nachhaltiges Handeln ein wesentliches Ziel. Mit wachsenden Leistungsumfang bieten wir unseren Kunden unsere Dienstleistung immer weiterführender klimaneutral an und ermöglichen darüber hinaus unseren Kunden und Partner die von ihnen erbrachten Dienstleistungen über die PRIOjet Plattform klimaneutral anzubieten. Auch eine CO2 Neutralisierung der durch unsere Kunden erbrachten Logistikleistungen wird über PRIOjet mit entsprechenden Nachweisen schon bald möglich sein.

startport: Welche Chancen habt ihr aus der Corona-Krise gezogen?

Neben vielen Herausforderungen, die die Corona-Situation mit sich gebracht hat, so hat sie damit zugleich auch Chancen für Neues geschaffen. Die Einreisebestimmungen vieler Länder sind inzwischen sehr komplex geworden. Es sind oft besondere Dokumente oder Nachweise erforderlich. Hier unterstützen wir mit unserem Service PRIOjet Logistics insbesondere Logistik-Agenturen und On-Board Couriers ihre Transporte bestmöglich planen und dann sicher durchführen zu können.

startport: Was können etablierte Unternehmen von euch lernen?

Für ein sehr junges, wie auch ein langjährig etabliertes Unternehmen, ist eine fortwährende Innovationsfreude, Veränderungsbereitschaft und Weiterentwicklung des Angebotes ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsfähigkeit. Hier können insbesondere traditionelle Unternehmen oft gelungene Inspirationen von Startups, wie auch PRIOjet eins ist, als Anstoß für die eigene Weiterentwicklung aufgreifen.

startport: Was unterscheidet die Notfalllogistik von der klassischen Logistik?

„Transporte, die 24/7 von fast jedem zu fast jedem Ort der Welt unverzüglich durchgeführt werden können“

Bei der Durchführung von sehr zeitkritischen internationalen Transporten mit On-Board Couriers (OBC) geht es darum, das eine Sendung sofort, schnellstmöglich von einem Ort auf der Welt zu einem anderen mit einer direkt verfügbaren Flugverbindung transportiert wird. Dies ermöglicht der OBC durch eine sofortige Abholung, der möglichen Erledigung der Zollformalität am Abflug- und auch am Zielflughafen und die unverzügliche Zustellung im Zielland. Dies sind keine klassischen Express-Sendungen, die beispielsweise an Einlieferungszeiten und Zollabwicklungsstellen gebunden sind, sondern sind Transporte, die 24/7 von fast jedem zu fast jedem Ort der Welt unverzüglich durchgeführt werden können.

Bildcopyright: PRIOjet Logistics // C. Wolff

„Unternehmertum bedeutet lebenslanges Lernen“ – Fabian Heilemann im Gespräch

Fabian Heilemann ist ein Seriengründer und Investor aus Berlin. Gemeinsam mit seinem Bruder Ferry gründete er 2009 die Couponing-Plattform Daily Deal sowie 2016 das Logistik-Startup FreightHub, das heute Forto heißt. Heute ist Fabian Partner bei Earlybird, einer der führenden Venture Capital-Firmen in Europa, und engagiert sich als Gründungsmitglied bei den Leaders for Climate Action. Ein Gespräch über Innovationen. 

startport: Was war für Sie Ihr erster großer Erfolg?

Fabian Heilemann: Der erste große Erfolg – und ein wichtiger unternehmerischer Moment – für meinen Bruder und mich war der Verkauf von DailyDeal an Google 2011. Später haben wir Forto gegründet und zu einem der führenden Logistik-Tech Unternehmen in Europa aufgebaut, das heute über 450 Mitarbeiter zählt und über 125 Millionen Dollar an Kapital aufgenommen hat.

„Unternehmertum bedeutet lebenslanges Lernen“.

Unsere unternehmerische Reise ist damit aber noch längst nicht abgeschlossen. Unternehmertum bedeutet lebenslanges Lernen und ständige persönliche Weiterentwicklung – man könnte sagen: Unternehmertum hält jung.

startport: Was braucht ein Gründer also aus Ihrer persönlichen Erfahrung, um erfolgreich zu sein?

Fabian Heilemann: Erfolgreiches Unternehmertum erfordert eine Kombination aus einem hohen Maß an Energie und Durchhaltevermögen einerseits und einem analytischen und strategischen Denkvermögen andererseits. Ebenfalls entscheidend sind Empathie und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern und führen zu können. Schließlich braucht es außerdem ein hohes Maß an charakterlicher Integrität, um ein langfristig erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

startport: Was würden Sie heute jungen Leuten raten, die überlegen ein Unternehmen zu gründen?

Fabian Heilemann: Ich würde dazu raten, sich vor der Gründung etwas Zeit zu nehmen und zwei Überlegungen anzustellen: Erstens sollte man sich über die eigenen Beweggründe klar werden. Zweitens sollte man überlegen, ob die eigene Persönlichkeitsstruktur zu den Anforderungen des Unternehmertums passt. Ersteres bedeutet vor allem, dass es wichtig ist, einen intrinsischen Bezug zu der Industrie, dem Produkt und dem Problem, welches man als Unternehmer lösen will, zu haben. Keine gute Motivation ist, lediglich finanziell erfolgreich sein zu wollen, denn dann fehlt meist das Durchhaltevermögen, wenn das Unternehmen in schwere See gerät, was bei fast jeder Gründung früher oder später einmal passiert.

„Keine gute Motivation ist, lediglich finanziell erfolgreich sein zu wollen.“

Zweiteres bedeutet, gut und gesund mit der permanenten Unsicherheit und der hohen Verantwortung eines Unternehmers umgehen zu können. Dazu zählt auch die Bereitschaft, die eigenen Annahmen und Entscheidungen immer wieder kritisch zu hinterfragen und wenn nötig zu korrigieren.

startport: Als Sie damals entschieden zu gründen, was haben die Menschen in Ihrem Umfeld zu Ihnen gesagt?

Fabian Heilemann: Die Menschen in meinem privaten und geschäftlichen Umfeld haben damals eher zurückhaltend und skeptisch reagiert, denn in den Jahren vor 2010 war eine Karriere als „Internet-Unternehmer“ alles andere als Mainstream. Der Markt war noch sehr klein und unreif und es war sehr viel schwieriger als heute, überhaupt eine Finanzierung in der Frühphase zu finden.

startport: Vom Gründer zum Investor. Warum haben Sie sich entschieden in Startups zu investieren?

Fabian Heilemann: Mich reizt die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmern, denen ich mein eigenes Know-How weitergeben kann. Es ist spannend und intellektuell anspruchsvoll, sich in verschiedenen Märkten, Geschäftsmodellen und Unternehmen parallel zu bewegen und hineindenken zu müssen. Auch als Investor lernt man nie aus.

startport: Wo sehen Sie für die nachhaltige Entwicklung einer starken Startup-Szene in Deutschland noch Nachholbedarf? Was ist schon vorhanden, was fehlt?

Fabian Heilemann: Mit Blick auf den Kapitalzugang in der frühen Phase von Startups sind wir in Deutschland mittlerweile gut aufgestellt; in der Wachstumsphase sind wir jedoch noch immer auf Gelder aus den USA und Asien angewiesen. Dies ist ein standortpolitisches Problem, bei dem auch die Politik und die traditionelle Finanzindustrie (Banken, Versicherungen, Pensionskassen) gefordert sind. Den Zugang zu Talenten in Deutschland würde ich als gut bis sehr gut bewerten, insbesondere Berlin zieht gut ausgebildete Menschen aus aller Welt an.

startport: Woran scheitern Ihrer Meinung nach die meisten Startups in NRW und was kann man dagegen tun?

Fabian Heilemann: NRW verfügt als Region über weniger Kapitalzugang als beispielweise Berlin oder Bayern (spezifisch München). Um dieses Problem zu lösen, müssen sich lokale Investoren, Unternehmer und Unternehmen, Family-Offices und die Politik zusammentun. Ganz generell gesprochen scheitern die meisten Unternehmen allerdings nicht am Kapitalzugang, sondern am Gründer- beziehungsweise Management-Team.

„Generell gesprochen scheitern die meisten Unternehmen am Gründer-Team“

Diese Teams bestehen aus Menschen – und Menschen können sich zerstreiten, dysfunktional werden oder schlicht den Herausforderungen des Wachstums und eines kompetitiven Marktumfeldes nicht gewachsen sein.

startport: Mit unserem Startup-Programm startport sind wir in Duisburg, der führenden Logistik-Drehscheibe in Europa. Wir sehen großes Potenzial bei Startups mit Innovationen für die Logistik-Branche. Warum ist die Branche Ihrer Meinung nach spannend für Investoren?

Fabian Heilemann: Die Logistikindustrie bietet einen großen und offenen Markt und ist bis heute nicht hinreichend digitalisiert. Firmen aus unserem Portfolio wie Sennder oder Forto erwirtschaften nach fünf Jahren im Markt bereits dreistellige Millionen-Euro-Umsätze und zeigen damit das Potenzial auf.

startort: Welche Innovationen sehen Sie konkret in der Logistik-Branche?

Fabian Heilemann: Das Potential für die Erfassung und Auswertung von Daten und die datengetriebene Optimierung von Abläufen, Transport- und Lieferketten in der Logistikbranche ist noch lange nicht ausgeschöpft. Das Gleiche gilt für die Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen. Auch Plattform-Modelle oder B2B-Marktplätze sind auf viele Segmente der Logistik-Industrie gut anwendbar.

startport: Die verrückteste Innovation in der Logistik-Branche war?

Fabian Heilemann: Additive Manufacturing bzw. 3-D-Druck wird in den nächsten Jahrzehnten meines Erachtens noch große Umwälzungen für die Logistik-Industrie bedeuten. Cargo-Drohnen für innerstädtische Paketlieferungen auf der letzten Meile fallen für viele Menschen wahrscheinlich noch in die Kategorie „Science Fiction“ – sie werden aber schon in wenigen Jahren Realität sein.

startport: Sollten etablierte Unternehmen mit Startups zusammenarbeiten? Und wenn ja, warum?

Fabian Heilemann: Ja, das sollten sie unbedingt, weil die Zusammenarbeit zahlreiche „Win-Win-Möglichkeiten“ birgt. Dabei geht es um Proof of Concept, technische Entwicklungspartnerschaften oder strategische Partnerschaften bis hin zu M&ADeals. Zudem können Startups von etablierten Unternehmen viel über die Professionalisierung, beispielsweise von Prozessen, lernen. Umgekehrt können Startups ihr Wissen über agile Entwicklungsmethoden und flexible Kollaboration teilen.

Bildcopyright: Earlybird

„Frauen können es heute genauso weit bringen wie Männer!“ – Jessica Büttner im Gespräch über Frauen als Gründerinnen

idea-ly-Gründerin und langjährige startport-Mitarbeiterin Jessica Büttner.

Frauen in Führungspositionen und Frauen in Gründerteams sind noch gar nicht so zahlreich, das gilt insbesondere in der Logistik-Branche. Aber es gibt sie. Wir lernen sie täglich im startport-Netzwerk kennen und möchten euch in dieser Woche fünf dieser Frauen vorstellen. Jessica Büttner gründete nach ihrer startport-Zeit das Software-Startup idea-ly. Bei idea-ly handelt es sich um ein Software-Startup im Bereich Ideenmanagement. Mit idea-ly können Unternehmen, Vereine und smarte Städte die wertvollste Ressource für frische Ideen und Innovationen nutzen: den Menschen. Das Startup bringt Ideengeber mit Unternehmen zusammen und sorgen dafür, dass alte Ideenbriefkästen verschwinden.

startport: Warum ist die Logistikbranche für Gründerinnen attraktiv?

Jessica: Die Logistikbranche bietet so viel Vielfalt wie kaum eine andere Branche. Lieferketten sind grenzüberschreitend und komplex mit immer neuen Herausforderungen: das ist auch der Grund, warum die Logistikbranche immer weiblicher wird. Frauen, die sich heute dazu entscheiden, in der Logistik zu arbeiten bringen noch ganz andere Lösungsansätze mit. Diversität verbessert die Performance eines Unternehmens, deshalb können Frauen in der Logistik einen großen Beitrag zu mehr Effizienz leisten.

startport: Hat es für Dich als Gründerin jemals einen Unterschied gemacht, eine Frau zu sein?

Jessica: Eigentlich nicht, da ich am ehesten auf mein engstes Umfeld höre und dort nur Zuspruch erfahren habe. Jedoch gab es einige Momente in meinem Leben, in denen ich mich sehr geärgert habe, dass Frauen auf der ganzen Welt längst nicht so gleichberechtigt behandelt werden, wie es bei mir der Fall ist. Für diese Frauen müssen wir uns einsetzen und die Welt zu einem Ort von Chancengleichheit machen. Das geht am besten, wenn Frauen in Positionen sind, in denen sie Einfluss nehmen können.

startport: Wie verändern Frauen als Unternehmerinnen die Welt?

Jessica: Sie zeigen uns besonders eins: dass die Führung eines Unternehmens genauso Frauen- wie Männersache ist. Wir orientieren uns bei der Berufswahl und der Planung unseres Lebens an dem, was es schon gibt, das wir kennengelernt haben. Weibliche Entrepreneure führen wiederum zu noch mehr weiblichen Entrepreneuren und Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen.

„Frauen können es genauso weit bringen, wie Männer!“

startport: Warum sind Frauen gute Gründerinnen?

Jessica: Frauen sind emotional stark und reflektieren ihr Verhalten meiner Erfahrung nach viel öfter, als das Männer tun. Das macht sie zu guten Führungskräften, die flexibel auf ihre Teams reagieren und nicht aufhören an sich selbst zu arbeiten.

startport: Wie können wir Frauen ermutigen, Unternehmerinnen zu werden?

Jessica: Indem wir die Geschichten der Frauen erzählen, die Entrepreneure sind und das zur Normalität in unserer Gesellschaft wird.

startport: Welches Vorbild hast Du?

Jessica: Ich war im engsten Familien- und Freundeskreis immer von starken und beeindruckenden Frauen umgeben. Meine Mutter hatte selbst ein kleines Ladenlokal, als ich noch ein Kind war und ist eine sehr starke Frau, die ich dafür sehr bewundere. Genauso stolz bin ich auf meine Freundinnen, die es weit gebracht haben und mich motivieren, fleißig und stark zu sein: eine arbeitet in einer Bank, die andere übernimmt eine ganze Zeitung, eine promoviert, die andere arbeitet in der Europäischen Kommission. Ich könnte endlos so weitermachen – Frauen können es heute genauso weit bringen wie Männer! Da habe ich keinen Zweifel dran und das hat mich inspiriert, mich selbst ans Gründen zu wagen

„Diversität ist der Schlüssel“ – Stefanie Engelhard im Gespräch über Frauen als Gründerinnen

Unleash Future Boats-Gründerin Stefanie A. Engelhard.

Frauen in Führungspositionen und Frauen in Gründerteams sind noch gar nicht so zahlreich, das gilt insbesondere in der Logistik-Branche. Aber es gibt sie. Wir lernen sie täglich im startport-Netzwerk kennen und möchten euch in dieser Woche fünf dieser Frauen vorstellen. Stefanie Engelhard gründete gemeinsam mit Lars Holger Engelhard das Startup Unleash Future Boats GmbH. Das Startup entwickelt elektrische, autonom fahrende Boote mit Brennstoffzelle und grünem Wasserstoff, komplett emissionsfrei, und bietet damit Lösungen für saubere und nachhaltige Mobilität und Logistik auf dem Wasser.

startport: Hat es für Dich als Gründerin jemals einen Unterschied gemacht, eine Frau zu sein?

Stefanie: Als Elektroingenieurin bin ich es gewohnt, in meist männlichen Teams zu arbeiten. Es fühlte sich sehr angenehm an, die Kultur und die Diskussionen in diesen Teams zu bereichern. Was früher normal war, wurde ein heißes Thema, seit ich eine weibliche Gründerin bin. Ich denke, wir sollten uns nicht auf den Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Gründern konzentrieren. Wir sollten die Vielfalt fördern! Echte Vielfalt. Das heißt, weiblich und männlich, erfahrene und junge Profis, unterschiedliche Kulturen… Seite an Seite, angetrieben von einer gemeinsamen Vision und Leidenschaft.
Wir bei Unleash Future Boats leben dieses Prinzip. Das Gründerteam sind ich und mein Mann, im C-Level-Team freuen wir uns, Michael zu haben. Unsere ältesten Experten feierten ihren 61. und 65. Geburtstag, und unsere erste Praktikantin war eine kluge und clevere Flüchtlingsfrau aus Syrien.

„Diversität ist der Schlüssel, um erfolgreiche Unternehmen zu gründen!“

Die Vielfalt bereichert unsere Denkweise, bricht Barrieren und fördert branchenübergreifendes Denken. Angetrieben von Neugier, entwickeln sich alle Teammitglieder durch Lernen kontinuierlich weiter.

startport: Wie verändern Frauen als Unternehmerinnen die Welt?

Stefanie: Frauen denken anders als Männer. Ich denke, die Kombination ist der Weg, wie wir eine lebenswerte Welt schaffen werden. Diversität ist der Schlüssel, um erfolgreiche Unternehmen zu gründen!

startport: Warum sind Frauen gute Gründerinnen?

Stefanie: Frauen sind sehr genau und ehrlich. Wir entwickeln zuverlässige und starke Unternehmen. Der Aufbau von Resilienz zahlt sich in vielen Situationen aus. Und für unsere Investoren sind Frauenunternehmen schneller exitfähig und bringen doppelt so viel Rendite.

„Frauenunternehmen sind schneller exitfähig und bringen doppelt so viel Rendite.“

startport: Wie können wir Frauen ermutigen, Unternehmerinnen zu werden?

Stefanie: Wir brauchen großartige Vorbilder. Wir brauchen starke Vorbilder, einen weiblichen Steve Jobs oder Elon Musk. Das wird mehr Frauen, vor allem im technischen Bereich, ermutigen, Unternehmerinnen zu werden.

startport: Welches Vorbild hast Du?

Stefanie: Wonder Woman, weil sie Stil und unglaubliche Kraft vereint.

startport: Warum ist die Logistikbranche für Gründerinnen attraktiv?

Stefanie: Die Logistik ist die komplexeste und multidimensionalste Herausforderung der heutigen Zeit. Frauen haben die Möglichkeit, die Welt auf eine andere Art zu sehen als Männer. Wie Ada Lovelace und Joan Clarke in der Vergangenheit bewiesen haben, haben Frauen in dieser Branche ihre Stärken. Aus diesem Grund sind weibliche Gründerinnen notwendig und unerlässlich, um das gesamte Spektrum an Lösungen zu haben.

startport: Welche Botschaft möchtest Du Frauen noch mitgeben? 

Stefanie: Zögern Sie nicht. Starten Sie Ihr Unternehmen. Jetzt!

„Veränderung passiert nicht von alleine“ – Hima Bindu Challa im Gespräch über Frauen als Gründerinnen

Gründerin Hima Bindu Challa mit Ministerin Dr. Franziska Giffey im Duisburger Innenhafen August 2020.

Frauen in Führungspositionen und Frauen in Gründerteams sind noch gar nicht so zahlreich, das gilt insbesondere in der Logistik-Branche. Aber es gibt sie. Wir lernen sie täglich im startport-Netzwerk kennen und möchten euch in dieser Woche fünf dieser Frauen vorstellen. Hima Bindu Challa gründete im Januar 2020 gemeinsam mit Jan Massenberg und Arne Paul Oltmann Limbiq. Das Logistik-Startup ist spezialisiert auf  Supply Chain Management-Software für KMU (Kleine Mittelständische Unternehmen).

startport: Aus Deiner Sicht, wie verändern Frauen als Unternehmerinnen die Welt?

Hima: Die Daten zeigen, dass von Frauen gegründete Unternehmen weniger Investitionen erhalten, als die von Männern. Und obwohl sie unterfinanziert sind, erwirtschaften ihre Unternehmen über einen Zeitraum von fünf Jahren 10 Prozent mehr Umsatz als von Männern gegründete Unternehmen. Sie erwirtschaften nicht nur Gewinne, sondern schaffen auch Gutes für die Welt und machen einen großen Teil des sozialen Unternehmertums aus. Frauen gründen Unternehmen mit dem Ziel der Veränderung und schauen auf die dringendsten Probleme der Welt und finden innovative Wege, diese Probleme zu lösen.

startport: Warum sind Frauen gute Gründerinnen?

Hima: Frauen sind fokussiert, organisiert, emotional stark und Multitasking-fähig. Als Gründer:in benötigt man nicht nur Talent und Energie, sondern auch den Blick auf Probleme aus verschiedenen Perspektiven. Frauen bringen einen anderen Blickwinkel auf ein Problem mit und denken auch im Detail über das Problem nach. Da sie emotional stark sind, bleiben sie ruhig und schauen sich verschiedene Lösungen an, wenn die Dinge bröckeln, was in Startups häufig der Fall ist.

„Wenn Sie wirklich mögen, was Sie tun, und wenn Sie wirklich leidenschaftlich sind, dann seien Sie Ihr eigener Chef!“

 

startport: Hima, Du hast im Logistikbereich gegründet. Warum ist die Logistikbranche für Gründerinnen attraktiv?

Hima: In der Vergangenheit verstand man unter Logistik eher physische Arbeit. Die Logistik wurde daher als männlicher Sektor angesehen. Aber jetzt, mit der Automatisierung von Dingen und der Robotik ist es mehr ein Denkspiel, in dem Frauen sehr gut sind. Die Logistik braucht Problemlöser:innen und innovative Denker:innen. Darin zeichnen sich Frauen aus. Aktuell ist die beste Zeit in der Logistikbranche zu gründen, denn in den vergangenen 10 Jahren sah man einen Ansturm von Investitionen in der Logistik. Das hat sich aufgrund der Pandemie verstärkt und bietet viele Möglichkeiten.

startport: Hat es für Dich als Gründerin jemals einen Unterschied gemacht, eine Frau zu sein?

Hima: Ja. Als weibliche Gründerin ist die Angst vor dem Scheitern größer als bei einem männlichen Gründer. Die meisten Leute in meinem inneren Kreis erwarten, dass ich scheitere. Das erhöht den Druck.

startport: Wie können wir Frauen ermutigen, Unternehmerinnen zu werden?

Hima: Wir sollten sie dabei unterstützen, ihre Idee in einen erfolgreichen Business Pitch umzuwandeln und ihnen die Ressourcen zur Verfügung stellen, die sie in der frühen Phase ihres Geschäfts benötigen. Das ist die Phase, in der die meisten Gründerinnen Schwierigkeiten haben, ein Unterstützungsnetzwerk aufzubauen.

startport: Welches Vorbild hast Du als Gründerin?

Hima: Elon Musk. Ohne zu überlegen. Wenn er sich für etwas begeistert, tut er es einfach. Unabhängig von seinem Hintergrund und Hürden.

startport: Deine Botschaft an Frauen?

Hima: Frauen sollten sich einbringen. Sie sind leidenschaftlich und belastbar und sie sollten vor nichts Angst haben. Ja, es gibt eine Geschlechterkluft in jedem Sektor, nicht nur im Unternehmertum. Aber wir können das nur überwinden, indem wir mehr Gründerinnen haben und die Macht der Gründerinnen zeigen. Die Veränderung wird nicht von alleine passieren. Wenn Sie wirklich mögen, was Sie tun, und wenn Sie wirklich leidenschaftlich sind, dann seien Sie Ihre eigene Chefin!

Bildcopyright: Krischerfotografie

„Innovationskraft durch Vielfalt“ – Angelika Kambeck im Gespräch über Frauen und Karriere

Frauen in Führungspositionen sind gar nicht so zahlreich (2019 lag der Anteil bei 29,5 Prozent, statista 2021), aber es gibt sie. 2021 feiert die ausgebildete Diplom-Pädagogin und Master-Absolventin ihr 10-jähriges Firmenjubiläum beim Stahl- und Metalldistributor Klöckner & Co SE, 2016 stieg sie dann zum Head of Group HR auf: Angelika Kambeck. Der Weltfrauentag war für uns bei startport ein Anlass, für einen Austausch mit Frau Kambeck über Karriere, Quoten und Netzwerke. 

startport: Frau Kambeck, Sie selbst sind bei Klöckner & Co in einer Führungsposition. Welche Tipps haben Sie für Frauen, die eine Karriere anstreben?

Kambeck: Aus meiner Sicht ist es wichtig, beruflich ein klares Ziel zu setzen. Das muss keine konkrete berufliche Position sein, sondern kann auch ein Thema sein, mit dem man sich beruflich auseinandersetzen will. Sind diese Ziele gesetzt, gilt es, sich diese immer wieder klar vor Augen zu führen, sie kontinuierlich zu schärfen und weiter zu verfolgen. Dafür sollte man seinen Einflussbereich kennen: Wo ist es möglich aktiv Einfluss zu nehmen und welche Themen, auf die man keinen Einfluss hat, nimmt man einfach so an. Beim Erreichen der eigenen Ziele sollte jedoch nie der Spaß und die Leichtigkeit verloren gehen. Zudem hilft es aus meiner Sicht immer den Respekt vor der Sache zu behalten. In meiner Freizeit mache ich Musik. Dort heißt es augenzwinkernd: „man darf den Respekt vor der Bühne nicht verlieren“.

startport: Hat es für die Verfolgung Ihrer beruflichen Ziele jemals einen Unterschied gemacht, dass Sie eine Frau sind?

Kambeck: An der einen oder anderen Stelle habe ich sicherlich einen Unterschied gespürt. Das sollte man aber einfach akzeptieren und damit dann entsprechend umgehen. Soll heißen, dass man sich einerseits anpassen muss, denn die Fähigkeit, sich an veränderte Umstände und Gegebenheiten anzupassen, ist die Grundlage für Evolution. Andererseits muss man sich aber auch der eigenen Andersartigkeit bewusst sein und sollte diese bewusst ausleben und einbringen.

„Denn aus meiner Sicht entsteht Innovationskraft durch Vielfalt.“

Denn aus meiner Sicht entsteht Innovationskraft durch Vielfalt. Und für Vielfalt ist es wichtig, dass wir jede:n Einzelne:n in ihrer oder seiner Andersartigkeit anerkennen. Die Nutzung dieser Kraft bringt uns voran. Das darf nicht nur eine Plattitüde sein. Echte Transformation funktioniert nur, wenn Vielfalt im Unternehmen gewollt und bewusst genutzt wird. Die richtige Unternehmenskultur ist der Schmierstoff der gesamten Transformation.

startport: Wie würden Sie diesen Schmierstoff aktuell bei Klöckner & Co beschreiben?

Kambeck: Bei uns im Unternehmen ist Diversität gewollt, wir forcieren das. Mit dieser Unternehmenskultur treiben wir auch das Thema Geschlechtervielfalt voran. Dafür haben wir uns ein konkretes Ziel gesetzt: Bis 2022 wollen wir 22 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzen. Wir kommen von einem Anteil von 8 Prozent von Frauen in Führungsebenen im Jahr 2012 und sind aktuell bei 16 Prozent und das ist sehr gute Entwicklung in unserer Branche. Wir wurden vom Frauen-Karriere-Index dazu auch schon mehrfach ausgezeichnet. Ich persönlich sehe eine Frauenquote als gute Starthilfe, um das Thema Diversität in Deutschland anzuschieben. Denn Derzeit tun sich viele Unternehmen noch schwer. Zudem wird der richtige Umgang mit Diversität zukünftig immer wichtiger, denn Geschlecht ist nur ein Aspekt von Diversität. Es geht ganz allgemein darum, empathisch zu sein: gegenüber anderen Haltungen, Hintergründen und Orientierungen.

startport: Neben einer Quote, wie können Frauen beruflich unterstützt werden?

Kambeck: Wir Frauen müssen uns gegenseitig noch stärker befähigen und uns gegenseitig weiterbringen. Ich habe den Eindruck, Frauen haben aktuell stellenweise noch Nachholbedarf was das Netzwerken betrifft. Dabei kommt es nicht nur auf Sympathien an, sondern vor allem auf Inhalte. Man sollte sich fragen: Wer kann mich und wen kann ich ergänzen? Netzwerke bestehen aus Geben und Nehmen. Sie müssen gepflegt werden. In den letzten Jahren habe ich aber durchaus Fortschritte in Bezug auf Frauennetzwerke wahrgenommen: Frauen entwickeln sich immer mehr zu Netzwerkerinnen. Wir bei Klöckner & Co fördern beispielsweise die Awards „Impact of Diversity“ und „Digital Female Leader“ und erleben dort, dass hinter diesen Preisen großartige Frauen und Frauennetzwerke stehen.

Über Klöckner & Co: Klöckner & Co ist einer der größten produzentenunabhängigen Stahl- und Metalldistributoren weltweit und beschäftigt rund 7.700 Mitarbeiter. Der Hauptsitz befindet sich in Duisburg. Als Vorreiter der digitalen Transformation in der Stahlindustrie hat sich Klöckner & Co zum Ziel gesetzt, seine Liefer- und Leistungskette durchgängig zu digitalisieren sowie die unabhängige Industrieplattform XOM Materials zur führenden vertikalen Plattform für die Stahl- und Metallbranche sowie benachbarte Industrien auszubauen.

Über Angelika Kambeck: Neben ihren Aufgaben als Head of Group HR treibt Kambeck, in enger Zusammenarbeit mit dem CEO, den Kulturwandel bei Klöckner & Co voran. Für ihre Arbeit wurde sie von Haufe im Jahr 2019 als führender HR-Kopf ausgezeichnet. 

Bildcopyright: Dominik Gigler for DLD

startport mit RHEINLAND GENIAL-Preis ausgezeichnet

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Die Innovationsplattform startport wurde auf Vorschlag der Niederrheinischen IHK mit dem RHEINLAND GENIAL-Preis der Metropolregion Rheinland ausgezeichnet. Die Metropolregion Rheinland verleiht den Innovationspreis seit 2020. Zu den Preisträgern zählen Firmen und Organisationen, die besonders innovativ Produkte oder Dienstleistungen aus unterschiedlichen Branchen neu denken. Den Preis erhielten startport-Geschäftsführer Peter Trapp und Erich Staake als Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport) aus den Händen von Metropolregion-Geschäftsführerin Kirsten Jahn und Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK.

„startport selbst ist eine Innovation für unseren Standort“.

„startport selbst ist eine Innovation für unseren Standort. Hier bekommen Ideen junger Logistik-Startups den Raum und die Möglichkeiten, zu fertigen Produkten heranzureifen. Diese Dynamik hilft der gesamten Region mit ihren über 3.000 Logistikunternehmen. Darum haben wir die startport GmbH für den Innovationspreis vorgeschlagen“, betont Dietzfelbinger.

startport ist Innovationshub mit internationaler Strahlkraft

startport bringt Unternehmen der Region, Startups und Investoren aus den Bereichen Logistik und Supply Chain zusammen. So entsteht ein starkes Netzwerk, das die Industrie und Logistik in dieser Region wesentlich mitgestalten wird. Startups können die „alteingesessenen“ Unternehmen herausfordern und partnerschaftlich Lösungen entwickeln. Das gilt nicht nur bezogen auf die Technik, sondern auch für die Bereiche Nachhaltigkeit und bei flexiblen Arbeitsmodellen.

„Diese Auszeichnung ist eine tolle Anerkennung für den Ehrgeiz und die Leidenschaft unseres Teams!“

„Mit unserer Tochtergesellschaft startport setzen wir auf die gezielte Nachwuchsförderung aus dem eigenen Hause. Wir erschließen neue Wertschöpfungsketten und kreieren gemeinsam mit jungen Unternehmern einen Mehrwert für die gesamte Branche. Das duisport-Netzwerk fungiert als Innovationstreiber für eine ganze Region. Die heutige Auszeichnung ist eine weitere Bestätigung unserer Arbeit“, erklärt Staake.

Auch Trapp freut sich über den Preis: „Was vor drei Jahren als Digitalisierungsprojekt bei Duisport begonnen hat, ist nun ein Innovationshub mit internationaler Strahlkraft. Erst gerade hatten wir unser dreijähriges Jubiläum und nahmen eine Rekordzahl von 30 Startups aus ganz Europa auf. Diese Auszeichnung ist eine tolle Anerkennung für den Ehrgeiz und die Leidenschaft unseres Teams!“

 

Logistik-Startups im Aufschwung: startport begrüßt 30 neue Startups im Innenhafen

Digital-Onboarding des Rekord-Jahrgangs.

Ahoi! Bei startport im Duisburger Innenhafen legen 30 neue Startups aus dem Bereich Logistik und Supply Chain an. Die Größe des neuen Jahrgangs (Batch #5) ist dabei ein stolzer Rekord. Die startport-Jahrgänge wachsen seit Start der Innovationsplattform zwar kontinuierlich: die Größe des letzten, vierten Jahrgangs konnte jedoch nochmal mehr als verdoppelt werden. „Das ist eine großartige Entwicklung – für startport, aber auch für die Logistikbranche und die Rhein-Ruhr-Region. Nach nur drei Jahren ist startport auch europaweit kein Geheimtipp mehr unter Gründer:innen“, freut sich Peter Trapp, Managing Director von startport.

Das ist eine großartige Entwicklung – für startport, aber auch für die Logistikbranche und die Rhein-Ruhr-Region.

So stammen 9 der 30 Startups aus ganz Europa. Mit vertreten im neuen Jahrgang sind Startups aus Frankreich, Spanien, Türkei, Großbritannien, Belgien, Österreich und Deutschland. Die Ideen der 30 Startups sind vielfältig und reichen thematisch von 3D-Druck, Intralogistik, Supply Chain Digitalization, Flottenmanagement, Routenoptimierung bis hin zu Smart City-Themen.

startport-Jahrgänge wachsen kontinuierlich

Seitdem 2018 die ersten vier Startups in den Innenhafen zogen, betreute startport bis jetzt insgesamt bereits 35 Startups. Dabei wuchsen die Jahrgänge kontinuierlich: im zweiten Jahrgang wurden neun Startups aufgenommen, im dritten sieben Startups und im vierten Jahrgang bereits 15. Mit der Förderung der neuen Startups sollen Unternehmen am Standort Rhein-Ruhr und Startups weiterhin zusammengebracht werden, um gemeinsame Projekte zu initiieren. Als Tochtergesellschaft des Duisburger Hafens, fördert startport so den Einsatz neuer Technologien in der Industrie und Logistik. „Deutschland ist Logistik-Weltmeister und hat gleichzeitig einen spürbaren Innovationsbedarf, wenn es um die Reduzierung von Emissionen und die Digitalisierung der Lieferketten geht. Genau hier können Startups den etablierten Unternehmen unter die Arme greifen,“ weiß Jan Herzogenrath, Accelerator- und Partnermanager bei startport.

Mentoring und Matching: Das erwartet die 30 Startups bei startport

Für die Förderung von Gründer:innen mit Innovationen für die Logistik, den Transport und die Supply Chain lässt sich das startport-Team Zeit: Es bietet den Startups zwölf Monate enge Betreuung durch Mentoren im Partner-Netzwerk, individuelles Matching für Projekte und potenzielle Kunden, exklusiven Zugang zu logistischen Assets, individuell zugeschnittene und kostenfreie Workshops und attraktive Arbeitsplätze im Co-Working-Space. Hinzu kommen spannende Veranstaltungen und aktives Netzwerken. startport coacht und hilft ebenfalls bei der Akquise potenzieller Investoren. So ist startport:

1. Inkubator im Sinne einer Wirtschaftsförderung mit besonderer Branchenexpertise am Standort und
2. Accelerator mit dem Fokus auf Matching, also der Verknüpfung mit einem konkreten Kunden.

Aus dem fünften Jahrgang werden dabei 25 Startups im Accelerator-Programm und 5 im Incubator-Programm eng betreut.

Starke Partner tragen zum Erfolg bei

Möglich mache den Erfolg das starke Partnernetzwerk, so Trapp. Das Tochterunternehmen des Duisburger Hafens verfolgt ein offenes Partnermodell und wird inhaltlich und finanziell durch regionale Akteure wie Klöckner, Duisburg Intermodal Terminal, der RAG Stiftung, dem Initiativkreis Ruhr, der Borussia Dortmund und den Wirtschaftsbetrieben Duisburg getragen. Sie stehen den Startups als Sparring-Partner und Anwender zur Seite – eine Win-Win Situation, welche Duisburg zu einem innovativen Standort macht.

 

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Auf eine Frage mit… frachtklub

Was denken die Visionäre der Logistikbranche? In unserer Reihe „auf eine Frage mit…“ finden wir das heraus. Dafür sprechen wir mit unseren Gründern über Ihre Ideen und Visionen. frachtklub hat einen Onlineshop für Speditionen entwickelt, der sich ganz einfach in die Website und die Prozesse von Speditionen integrieren lässt. Tagespreis anfragen für Transporte erfolgen oftmals noch per E-Mail, Telefon oder Fax. Mit der White-Label-Lösung von frachtklub können Speditionen ihren Kunden ermöglichen, Transporte über die Spedition-Website anzufragen und direkt online zu buchen. Die Berechnung und Abwicklung erfolgt über einen bewährten Algorithmus.

startport: Was sind die Herausforderungen der Logistik von morgen?

Die großen Herausforderungen für die Logistik von morgen ergeben sich aus den globalen Trends wie beispielsweise Fachkräftemangel, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Der Mangel an Lkw-Fahrern/innen hat sich in den vergangenen Jahren verschärft und setzt die Branche enorm unter Druck. Darüber hinaus wird in kaum einer Branche noch so manuell gearbeitet wie in der Logistik, sodass es hier riesige Potentiale für die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen gibt. Mit unserem Onlineshop für Speditionen tragen wir zur Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen bei. Dabei unterstützen wir die vielen mittelgroßen Speditionen dabei ihre Vertriebsprozesse ins 21. Jahrhundert zu befördern und die vielen Transportpreisanfragen automatisiert abzuwickeln. Darüber hinaus integrieren wir aktuell eine Erweiterung unsere Klimaengagements in unseren Onlineshop. Verlader können dann durch CO2-Ausgleichsmaßnahmen klimaneutrale Transporte buchen.

startport: Welche Chancen habt ihr aus der Corona-Krise gezogen?

Die derzeitige Corona-Situation hat den großen Vorteil, dass viele unserer Kunden nun endlich auch digitale Medien zur Vernetzung nutzen.

Wir fühlen uns unseren Kunden heute näher als vor Corona.

Webinare und Videomeetings sind allgemein akzeptiert und machen es deutlich leichter trotz Abstand in engen Kontakt zu treten und sich häufiger virtuell „zu sehen“. Wir fühlen uns unseren Kunden heute näher als vor Corona.

startport: Was können etablierte Unternehmen von euch lernen?

Wir bringen frischen Wind in etablierte Unternehmen und sind Experten auf dem Gebiet der digitalen Logistik. Unsere Stärke liegt in unserer Geschwindigkeit, kundenzentrierten Entwicklung und unserem Digitalisierungs-Know-how. Dabei fordern wir etablierte Unternehmen immer wieder heraus ihre alten Denkmuster und Sichtweisen zu hinterfragen und Neues auszuprobieren.

startport: Der Mittelstand tut sich bekanntermaßen schwer mit der Implementierung von Innovationen. Wie überzeugt ihr sie?

Einerseits führen wir den Speditionen immer wieder vor Augen, dass ihre Kunden (die Verlader) heute einfach online Transporte einkaufen wollen. Der Onlinevertrieb ist dabei ein Teil verschiedener Vertriebsaktivitäten. Darüber hinaus kennen wir alle diese Digitalisierungsprojekte, die sich immer wieder verzögern. Genau das wollten wir mit Frachtklub vermeiden. Daher ist unsere Lösung so entwickelt, dass diese bereits nach wenigen Tagen implementiert ist und live gehen kann.

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